Reger Visitenkarten-Tausch
Natalia Zarudna, Botschafterin der Ukraine in Deutschland, spricht mit Unternehmern im Burgenlandkreis und über die hiesige Unesco-Bewerbung.
Diplomatisch lehnte Natalia Zarudna den ihr angebotenen Kaffee ab. "Maybe juice", bat die Botschafterin der Ukraine in Deutschland vielmehr in Englisch um ein Glas Saft, nachdem sie in einem Besprechungsraum mit Geschäftsführer Christian Dabbert, Lokalpolitikern und zwei Botschaftsmitarbeitern Platz nahm.
Das Lauchaer Unternehmen bildete am Freitag neben dem Frischli- Milchwerk Weißenfels und MuR Stahlbau Naumburg eine Station ihrer eintägigen Rundreise durch den Burgenlandkreis. Organisator dieses Besuches war der SPD-Bundestagsabgeordnete Maik Reichel, der zugleich Mitglied der Deutsch-Ukrainischen Parlamentariergruppe ist. Am Anfang dieser ganztägigen Tour stand eine offizielle Begrüßung in der Kreisverwaltung in Naumburg. Hier debattierte die 59-Jährige mit Vertretern der lokalen Netzwerke für Metall, Logistik, Ernährungswirtschaft und Gesundheit sowie des Bauernverbandes Burgenlandkreis. Die Möglichkeiten einer zukünftigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit waren dabei das Thema, Visitenkarten wurden rege ausgetauscht. "Nicht nur die großen, sondern auch die mittelständischen und kleinen Unternehmen interessieren uns", betonte Natalia Zarudna, die vor ihrem Amt als Botschafterin in Deutschland vier Jahre lang dieses Amt in Dänemark begleitete. Schnell erkannte sie die Gemeinsamkeiten des Landkreises mit der Ukraine, beispielsweise in der ökonomischen Bedeutung der Agrarindustrie und der Ernährungswirtschaft. Eine Zusammenarbeit könnte sie sich vor allem konkret mit einer Region vorstellen: Mit dem im 19. Jahrhundert von Herzog Ferdinand von Anhalt-Köthen gegründeten Gebiet Askania-Nowa. Neben der Landwirtschaft ist das Areal im Süden des Landes ein touristisches Ziel und vor allem bekannt als Unesco-Naturschutzreservat.
Die Bewerbung der Region Saale-Unstrut als Unesco-Weltkulturerbe wurde somit zu einem weiteren wichtigen Thema. Die Botschafterin, die zum dritten Mal in Sachsen-Anhalt weilte, bot sich an, als Beraterin mitzuwirken, war sie doch in der Vergangenheit in ihrem Land stellvertretende Vorsitzende der Unesco-Kommission und Stellvertreterin des Beauftragten der Ukraine im Unesco-Exekutivrat. "Sie weiß sehr genau darüber Bescheid", bemerkte Landrat Harri Reiche. Im Kampf gegen die derzeitige Wirtschaftskrise wirbt die Botschafterin für ein Rezept: Bildung. "Europa ist mit seinen hervorragenden Produkten im Vorteil, aber dafür braucht man weiterhin Wissen", so Natalia Zarudna.
Nach ihrer Stippvisite hegt Christian Dabbert, der Geschäftsführer von Glockengold, vor allem ein Wunsch: Dass sich ein solcher Besuch auf eine verstärkte Rechtssicherheit auswirkt, um bessere Bedingungen für das Engagement deutscher Unternehmen in der Ukraine zu schaffen. Denn der Chef des Lauchaer Unternehmens kennt auch die dortigen unsicheren wirtschaftspolitischen Bedingungen.
(c) Constanze Matthes, Mitteldeutsche Zeitung



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